Stell dir vor, du siehst, wie jemand anderes auf das Facebook-Konto deines Freundes zugreift. Vielleicht ist es ein Partner, der neugierig ist, oder ein Kollege, der einfach mal reinschauen will. Es fühlt sich an wie ein kleiner Lebenshack - schnell, unkompliziert, kein großer Aufwand. Aber ist das wirklich harmlos? Oder ist es illegal, ohne Erlaubnis auf ein Facebook-Konto zuzugreifen? Die Antwort ist klar: Ja. Und es kann teuer werden.
Was genau ist ein unerlaubter Zugriff?
Unerlaubter Zugriff bedeutet: Du meldest dich bei einem Facebook-Konto an, ohne dass der Inhaber dir Passwort, PIN oder Zugangscode gegeben hat. Das gilt egal, ob du das Passwort errätst, es von einem alten Gerät übernimmst, oder jemandem über die Schulter schaust, während er sich einloggt. Selbst wenn du nur "mal kurz schauen" willst, um zu sehen, was der andere postet - das ist kein Kleinkrimi, das ist ein Verstoß gegen das Gesetz.
In Deutschland fällt das unter das Computerbetrugsgesetz (§ 202a StGB). Dieses Gesetz schützt nicht nur Bankkonten oder Firmensysteme, sondern auch private Social-Media-Accounts. Facebook ist kein öffentlicher Ort. Es ist ein digitales Zuhause, das durch Passwörter und Verschlüsselung abgesichert ist. Wer diese Sicherheit umgeht, bricht das Vertrauen - und das Gesetz.
Wie wird das geahndet?
Die Strafen sind nicht zu unterschätzen. Wer ohne Erlaubnis auf ein Facebook-Konto zugreift, kann mit einer Geldstrafe oder bis zu drei Jahren Haft bestraft werden. Das ist kein theoretisches Risiko. Im Jahr 2024 verurteilte ein Gericht in Köln eine Frau zu einer Geldstrafe von 4.800 Euro, weil sie das Konto ihres Ex-Partners geöffnet hatte, um private Nachrichten zu lesen. Sie dachte, sie hätte ein Recht darauf - sie hatte nicht.
Es spielt keine Rolle, ob du etwas gestohlen, veröffentlicht oder gelöscht hast. Bereits das bloße Anmelden reicht aus. Selbst wenn du nichts Böses vorhast - das Gesetz schützt die Integrität des Zugangs, nicht deine Absichten. Es ist wie ein Schlüssel, den du aus dem Briefkasten eines Nachbarn nimmst, um mal nachzusehen, ob er Post hat. Du hast nichts gestohlen - aber du hast trotzdem eingebrochen.
Warum ist Facebook-Konto-Zugriff anders als ein Handy durchschauen?
Manche denken: Wenn ich das Handy meines Kindes oder meines Partners habe, darf ich doch reinschauen. Aber ein Handy ist ein physisches Gerät - ein Facebook-Konto ist ein digitales Eigentum. Selbst wenn du das Gerät besitzt, ist das Konto nicht dein. Facebook speichert Daten auf Servern, die rechtlich dem Nutzer gehören - nicht dem, der das Gerät hält.
Facebook selbst hat klare Regeln: Nur der Kontoinhaber darf sich anmelden. Jeder andere Zugriff verstößt gegen die Nutzungsbedingungen. Und das ist nicht nur ein Hinweis im Kleingedruckten - das ist ein rechtlicher Vertrag. Wer ihn bricht, macht sich strafbar.
Was ist mit Eltern, die auf das Konto ihres Kindes zugreifen?
Eltern denken oft: Ich bin verantwortlich, ich muss schauen, ob mein Kind in Gefahr ist. Das ist verständlich - aber nicht legal. Wenn dein Kind unter 16 ist, hat es nach der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) kein Recht auf absolute Privatsphäre. Aber das bedeutet nicht, dass du einfach dein Passwort abgreifen darfst. Du kannst es fragen. Du kannst gemeinsam Einstellungen prüfen. Du kannst die Elternkontrolle von Facebook nutzen - aber nicht heimlich einloggen.
Ein Fall aus Berlin 2023 zeigt, wie schnell es schiefgeht: Eine Mutter loggte sich in das Konto ihrer 15-jährigen Tochter ein, um nach Cybermobbing zu suchen. Sie fand nichts - aber die Tochter entdeckte den Zugriff. Sie erstattete Anzeige. Die Mutter wurde nicht verurteilt, weil die Staatsanwaltschaft von geringer Schuld ausging - aber sie musste eine offizielle Verwarnung hinnehmen. Und sie verlor das Vertrauen ihrer Tochter für Jahre.
Was ist mit Freunden, die sich "mal eben" einloggen?
"Ich hab das Passwort von meinem besten Freund, weil er es mir mal gegeben hat - vor drei Jahren. Er hat nie gesagt, ich soll aufhören. Also logge ich mich immer ein, wenn ich was nettes für ihn posten will." Das klingt wie eine Freundschaftsaktion. Aber rechtlich ist das ein Problem. Wenn jemand ein Passwort gibt, ist das eine einmalige Erlaubnis - nicht eine lebenslange Genehmigung. Wenn dein Freund später das Passwort ändert, hast du keine Berechtigung mehr. Jeder weitere Zugriff ist illegal.
Ein Fall aus Hamburg: Ein Mann loggte sich monatelang in das Konto seines Freundes ein, um Fotos zu liken und Kommentare zu schreiben. Der Freund merkte es erst, als er seine Login-Aktivitäten prüfte. Er meldete das bei Facebook - und bei der Polizei. Der Mann bekam eine Geldstrafe von 2.100 Euro. Er hatte nicht einmal etwas Schlechtes getan. Er hatte nur nicht aufgehört, als er nicht mehr darf.
Was passiert, wenn du das Passwort errätst?
Einige versuchen, das Passwort zu raten. "Er hat seinen Hund als Passwort genommen - das ist doch klar!" Oder: "Sie hat ihren Geburtstag als Code. Ich weiß, wann sie geboren ist." Das ist nicht clever. Das ist Straftat. Facebook hat Schutzmechanismen - nach drei Fehlversuchen sperrt es das Konto. Aber das ist nur der technische Teil. Der rechtliche Teil ist: Du hast bewusst versucht, eine Schutzmauer zu überwinden. Das ist Hacking - selbst wenn du nur ein einfaches Passwort verwendest.
Ein 19-Jähriger aus Leipzig versuchte, das Konto seiner Klassenkameradin zu knacken, weil er ihre Fotos sehen wollte. Er nutzte einen einfachen Passwort-Brute-Force-Tool. Facebook blockierte das Konto - und die Polizei holte ihn ab. Er bekam eine Bewährungsstrafe und musste 40 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Er war 19 - und dachte, er hätte nichts getan, was schlimm wäre.
Was ist mit Facebook-Login über andere Geräte?
Manche denken: Wenn ich das Konto auf meinem Laptop gespeichert habe, kann ich doch einfach weitermachen. Aber das ist ein Irrtum. Facebook speichert Login-Daten auf dem Gerät - aber das ist kein Recht. Wenn du dein Gerät an jemanden gibst, der sich anmeldet, ist das deine Entscheidung. Aber wenn du das Konto eines anderen auf deinem Gerät öffnest - ohne dass er dir das Passwort gegeben hat - ist das illegal.
Ein Beispiel: Du bekommst ein altes Handy von deinem Bruder. Du siehst, dass sein Facebook-Konto noch angemeldet ist. Du denkst: "Er hat es vergessen - ich mach’s sauber." Du loggst dich ein, löschst alte Nachrichten, änderst die Einstellungen. Du meinst, du hilfst. Aber du hast sein digitales Eigentum verändert - ohne seine Zustimmung. Das ist kein Dienst - das ist eine Straftat.
Wie kannst du dich schützen?
Wenn du dein eigenes Konto schützen willst, nutze:
- Eine eindeutige, komplexe Passwort-Kombination - nicht Geburtstag, Name oder "123456"
- Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) - per App oder SMS
- Regelmäßige Prüfung der aktiven Sitzungen unter "Einstellungen → Sicherheit und Login"
- Keine Passwörter an andere weitergeben - auch nicht an Vertraute
Wenn du jemanden vertraust, gib ihm die Erlaubnis - aber nicht das Passwort. Nutze stattdessen die Facebook-Funktion "Zugriff für andere Personen einrichten". Das ist legal, sicher und transparent.
Was ist mit der Polizei - können sie ohne Erlaubnis reinschauen?
Ja. Aber nur mit richterlichem Beschluss. Die Polizei darf Facebook-Konten prüfen, wenn ein Verbrechen vorliegt - aber nur, wenn ein Richter das erlaubt. Das ist ein Unterschied: Staatliche Ermittler unterliegen strengen Regeln. Privatpersonen nicht. Wenn du als Privatperson zugreifst, bist du kein Ermittler - du bist ein Täter.
Was ist mit WhatsApp, Instagram oder TikTok?
Die gleichen Regeln gelten für alle Plattformen. Ob du auf WhatsApp-Nachrichten zugreifst, Instagram-Fotos anschaust oder TikTok-Kommentare liest - ohne Erlaubnis ist es immer illegal. Die Gesetze schützen digitale Kommunikation unabhängig von der App. Facebook ist nur der bekannteste Fall.
Was ist mit der moralischen Seite?
Es ist nicht nur illegal - es ist auch falsch. Jeder hat das Recht, seine privaten Gedanken, Fotos und Nachrichten für sich zu behalten. Facebook ist kein öffentlicher Briefkasten. Es ist ein Ort, an dem Menschen sich sicher fühlen sollen. Wenn du das verletzt, zerstörst du Vertrauen - und das ist schwerer zu reparieren als eine Strafe.
Wenn du neugierig bist - frag. Wenn du Sorge hast - sprich. Wenn du helfen willst - biete Unterstützung an. Aber nicht durch Hintertüren. Die richtige Lösung liegt immer im offenen Gespräch - nicht im versteckten Login.
Herbert Finkernagel
Januar 24, 2026 AT 05:28Das ist kein Krimi, das ist ein klarer Verstoß gegen das Computerbetrugsgesetz. Wer das Passwort errät, macht sich strafbar. Es spielt keine Rolle, ob du ‘nur schauen’ willst. Das ist wie ein Einbruch in deine Wohnung, nur dass du keinen Schraubenzieher brauchst. Die Strafen sind nicht lächerlich – sie sind notwendig, um digitale Integrität zu schützen.
Timon Ostertun
Januar 24, 2026 AT 17:01Markus Paul
Januar 25, 2026 AT 13:17Stefanie Barigand
Januar 26, 2026 AT 09:51Das ist ein Skandal! Wer sich ohne Erlaubnis in ein Konto einloggt, sollte sofort ins Gefängnis! Das ist kein ‘kleiner Hack’, das ist ein Angriff auf deutsche Werte! Wer das tut, hat keine Moral, keine Ehre, keine deutsche Seele! Und wer das rechtfertigt, ist genauso schuldig! Wir müssen härter werden, nicht nachsichtiger!