Welche Websites werden am häufigsten gehackt? Die Top-Ziele und wie du dich schützt

Welche Websites werden am häufigsten gehackt? Die Top-Ziele und wie du dich schützt

Stell dir vor, du öffnest deine Lieblingsnachrichten-App oder dein Online-Banking, und plötzlich steht dort nicht der gewohnte Inhalt, sondern eine Warnung oder gar Spam. Das ist kein Science-Fiction-Szenario mehr. Es passiert täglich. Aber welche Websites sind die eigentlichen Ziele dieser Angriffe? Ist es vielleicht das große Tech-Unternehmen um die Ecke oder ein staatliches Portal? Die Antwort könnte dich überraschen: Oft sind es gar nicht die Riesen, die im Visier stehen - zumindest nicht in Bezug auf die reine Anzahl der Vorfälle.

Wenn wir uns ansehen, welche Art von Webseiten am häufigsten kompromittiert wird, taucht immer wieder derselbe Name auf. Es ist keine geheime Regierungsdatenbank und auch kein exklusives Finanzportal. Es sind Content-Management-Systeme (CMS), die Millionen von kleinen Blogs, lokalen Geschäften und Hobby-Seiten antreiben. Warum genau diese Systeme so attraktiv für Angreifer sind und was das für dich als Nutzer oder Webmaster bedeutet, erfährst du hier.

Der unangefochtene Spitzenreiter: WordPress

WordPress ist ein open-source Content-Management-System, das weltweit den größten Marktanteil bei dynamischen Websites hält. Laut aktuellen Statistiken treibt WordPress über 40 % aller Websites im Internet an. Diese enorme Verbreitung macht es zum perfekten Ziel für automatisierte Angriffe.

Warum gerade WordPress? Stellen wir uns Angreifer als Jäger vor. Wenn du auf die Jagd gehst, suchst du nicht nach dem einen exotischen Tier, das nur in einer bestimmten Höhle lebt. Du suchst dort, wo die Herde am dichtesten ist. Da WordPress so weit verbreitet ist, entwickeln Kriminelle massenhaft Skripte, die automatisch nach Sicherheitslücken in WordPress-Installationen suchen.

Dazu kommen zwei weitere Faktoren:

  • Plugins und Themes: Viele WordPress-Seiten nutzen kostenlose Plugins, die oft nicht regelmäßig aktualisiert werden. Ein veraltetes Plugin ist wie eine offene Tür.
  • Einfache Installation: Weil WordPress so einfach zu installieren ist, nutzen es viele Laien ohne tiefere Kenntnisse in IT-Sicherheit. Schwache Passwörter und fehlende Updates sind die Folge.

Das bedeutet nicht, dass WordPress per se unsicher ist. Im Gegenteil: Der Kern des Systems ist sehr robust. Das Problem liegt in der Masse der schlecht konfigurierten Installationen. Studien zeigen, dass der Großteil der erfolgreichen Angriffe auf WordPress-Seiten durch bekannte Lücken geschieht, für die bereits Patches verfügbar waren - die aber einfach nicht installiert wurden.

Andere beliebte Ziele: Joomla, Drupal und E-Commerce

Neben WordPress gibt es noch andere CMS, die häufiger gehackt werden als man denkt. Joomla und Drupal gehören ebenfalls zu den großen drei Open-Source-CMS. Sie haben zwar kleinere Marktanteile als WordPress, sind aber dennoch häufige Ziele, besonders wenn sie mit veralteten Versionen betrieben werden.

Ein weiterer Bereich, der extrem häufig angegriffen wird, ist der E-Commerce-Bereich. Hier denken Angreifer direkt an Geld. Plattformen wie Shopify, WooCommerce (eine WordPress-Erweiterung) oder Magento sind begehrte Ziele, weil dahinter Kundendaten, Kreditkarteninformationen und Zahlungsabwicklungen stecken.

Vergleich der Häufigkeit von Angriffen auf verschiedene Plattformen
Plattform / Typ Häufigkeit der Angriffe Hauptgrund für Angriffe Schwierigkeitsgrad für Angreifer
WordPress Sehr hoch Hohe Verbreitung, viele Plugins Niedrig bis Mittel
Joomla / Drupal Mittel Veraltete Core-Versionen Mittel
E-Commerce (z.B. WooCommerce) Hoch Finanzieller Gewinn (Kartendaten) Mittel bis Hoch
Kleine statische Seiten Niedrig Geringer Wert, wenig Automatisierung Hoch

Es ist wichtig zu verstehen: Nur weil eine Website „klein“ ist, heißt das nicht, dass sie sicher ist. Im Gegenteil. Kleine Websites werden oft ignoriert, wenn es um Sicherheitsbudgets geht, sind aber aufgrund ihrer schlechten Absicherung leichte Beute für Bots, die rund um die Uhr scannen.

Offener Server mit schwachen Passwörtern und lauernder Hacker-Silhouette

Warum werden eigentlich Websites gehackt?

Viele Menschen glauben, Hacker hacken Websites, um persönliche Daten zu stehlen. Das stimmt teilweise, aber es ist nur ein Teil des Puzzles. Die Motive hinter einem Hack variieren stark und helfen uns zu verstehen, warum bestimmte Seiten bevorzugt werden.

  1. Spam und Phishing: Dies ist der häufigste Grund. Angreifer übernehmen eine WordPress-Seite, um darauf Spam-Kommentare zu platzieren oder gefälschte Login-Seiten einzurichten, die sich wie die echte Seite ausgeben, aber Passwörter der Besucher abgreifen.
  2. Crypto-Mining: Der Server der gehackten Website wird missbraucht, um Kryptowährungen zu minen. Das kostet den Webseitenbetreiber Strom und Rechenleistung, bringt dem Angreifer aber passives Einkommen.
  3. Ransomware: Besonders bei größeren Unternehmen oder Krankenhäusern wird die Website oder das gesamte System verschlüsselt. Der Angreifer fordert Lösegeld für die Freigabe.
  4. SEO-Spam: Angreifer fügen versteckte Links zu illegalen Inhalten (wie Glücksspielseiten oder Pharmaprodukten) hinzu, um deren Ranking bei Suchmaschinen zu verbessern.

Für kleine Blogbetreiber ist der erste Punkt - Spam - das größte Problem. Deine Seite wird zum Briefkasten für illegale Werbung. Das schadet deinem Ruf und kann dazu führen, dass Suchmaschinen wie Google deine Seite als unsicher markieren.

Die Rolle von Schwachstellen und menschlichem Versagen

Technische Fehler spielen eine große Rolle, aber der Mensch ist oft das schwächste Glied. Eine Studie von IBM ergab, dass in einem signifikanten Anteil der Datenschutzverletzungen menschliche Fehler ursächlich waren. Was bedeutet das konkret?

Stell dir vor, du hast die sicherste Festung der Welt gebaut, vergisst aber, das Tor abzuschließen. So funktioniert es bei vielen Websites. Das Content-Management-System ist aktuell, die Firewall läuft - aber der Administrator nutzt das Passwort „123456“ oder „password“. Oder er klickt auf einen Link in einer gefälschten E-Mail, die vorgibt, vom Hosting-Anbieter zu stammen, und gibt damit seine Zugangsdaten preis.

Zusätzlich gibt es das Problem der Supply-Chain-Angriffe. Dabei wird nicht die Website selbst angegriffen, sondern eines der Plugins oder Themes, die sie nutzt. Wenn ein beliebtes Plugin eine Sicherheitslücke hat, sind alle Websites, die dieses Plugin verwenden, gefährdet - oft bevor der Entwickler überhaupt weiß, dass etwas falsch läuft.

Geschützte Website-Kugel vor Malware-Sturm mit sicheren Backups

Wie du deine Website schützen kannst

Jetzt, da wir wissen, wer die Hauptziele sind und warum sie angegriffen werden, kommt die wichtigste Frage: Wie vermeidest du, dass deine Website zur nächsten Statistik wird? Hier sind praktische Schritte, die jeder Webmaster umsetzen sollte.

1. Regelmäßige Updates sind Pflicht

Das klingt banal, ist aber der effektivste Schutz. Aktualisiere dein CMS, alle Plugins und Themes sofort, sobald ein Update verfügbar ist. Viele Updates enthalten kritische Sicherheitspatches. Verzögerst du das Update, gibst du Angreifern Zeit, die bekannte Lücke auszunutzen.

2. Starke Authentifizierung

Verwende lange, komplexe Passwörter für jeden Zugang. Noch besser: Aktiviere die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA). Selbst wenn ein Angreifer dein Passwort errät oder stiehlt, kann er ohne den zweiten Faktor (z.B. einen Code aus deiner App) nicht auf dein Dashboard zugreifen.

3. Sicheres Hosting wählen

Nicht alle Hosting-Anbieter sind gleich. Gute Anbieter bieten automatische Backups, Web Application Firewalls (WAF) und regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen an. Ein günstiger Hoster ohne Sicherheitsfeatures spart heute Geld, kostet morgen aber viel Ärger.

4. Backup-Strategie

Gehe davon aus, dass du irgendwann gehackt wirst. Die Frage ist nur, wann. Mit aktuellen Backups kannst du deine Website schnell wiederherstellen, ohne Lösegeld zahlen oder wochenlang zu debuggen. Speichere Backups außerhalb deines Servers (z.B. in der Cloud oder lokal).

5. Sicherheitsscanner nutzen

Installiere Plugins oder Dienste, die deine Website kontinuierlich auf Malware, verdächtige Dateien und Schwachstellen scannen. Tools wie Wordfence (für WordPress) oder Sucuri können Probleme erkennen, bevor sie schwerwiegend werden.

Fazit: Sicherheit ist ein Prozess, kein Produkt

Es gibt keine einzelne Lösung, die eine Website unzerstörbar macht. Sicherheit ist ein fortlaufender Prozess. Wer eine WordPress-Seite betreibt, muss akzeptieren, dass sein System ein häufiges Ziel ist. Doch durch disziplinierte Pflege, aktuelle Software und bewussten Umgang mit Zugangsdaten lässt sich das Risiko drastisch senken.

Denk daran: Die meisten gehackten Websites waren nicht Opfer hochintelligenter, gezielter Angriffe, sondern von automatisierten Skripten, die nach leichten Zielen suchten. Sei kein leichtes Ziel. Halte deine Software aktuell, nutze starke Passwörter und habe immer ein funktionierendes Backup. Dann schläfst du besser - egal, ob du einen kleinen Blog oder einen großen Online-Shop betreibst.

Ist WordPress wirklich die am häufigsten gehackte Plattform?

Ja, aufgrund seines Marktanteils von über 40 % ist WordPress das häufigste Ziel für automatisierte Angriffe. Das bedeutet jedoch nicht, dass es unsicher ist, sondern dass Angreifer dort die höchste Erfolgsquote bei massenhaften Scans haben.

Werden auch kleine private Blogs gehackt?

Absolut. Angreifer nutzen Bots, die tausende Seiten pro Minute scannen. Sie unterscheiden nicht zwischen großen Firmen und privaten Blogs. Wenn eine Sicherheitslücke gefunden wird, wird sie ausgenutzt, unabhängig von der Größe der Website.

Was soll ich tun, wenn meine Website gehackt wurde?

Trenne die Website zunächst vom Netzwerk, wenn möglich. Ändere alle Passwörter (Hosting, Datenbank, Admin-Accounts). Nutze ein Backup, um die Website auf einen sauberen Stand zurückzusetzen. Installiere anschließend Sicherheitsupdates und prüfe, wie der Eindringling eingedrungen ist, um es zukünftig zu verhindern.

Sind statische Websites sicherer als WordPress?

Ja, statische Websites (die nur HTML/CSS/JS Dateien sind und keine Datenbank benötigen) haben eine viel kleinere Angriffsfläche. Da es kein Backend-Login und keine dynamischen Plugins gibt, sind sie deutlich schwerer zu kompromittieren.

Brauche ich eine teure Firewall für meine kleine Website?

Nicht unbedingt eine teure Hardware-Lösung. Viele Hosting-Anbieter bieten integrierte Web Application Firewalls (WAF) an. Für WordPress gibt es zudem effektive Plugins wie Wordfence oder Sucuri, die bereits für kleines Geld oder kostenlos guten Schutz bieten.