Die meist gehackten Passwörter: Warum '123456' immer noch die Nummer eins ist

Die meist gehackten Passwörter: Warum '123456' immer noch die Nummer eins ist

Haben Sie sich jemals gefragt, warum Ihre E-Mail-Adresse plötzlich in einer Liste von gestohlenen Zugangsdaten auftaucht? Die Antwort ist oft banaler, als man denkt. Es liegt nicht an einem hochkomplexen Hackerangriff aus einem dunklen Keller, sondern daran, dass jemand - vielleicht sogar Sie selbst - ein Passwort gewählt hat, das Millionen anderer Menschen auch nutzen. Wenn wir über gehackte Passwörter sprechen, meinen wir nicht unbedingt Passwörter, die durch Brute-Force-Angriffe geknackt wurden. Wir meinen Passwörter, die in riesigen Datenbanken gefunden wurden, weil Nutzer sie auf mehreren Seiten wiederverwendet haben. Und die Top-Liste dieser gefährlichen Kombinationen ändert sich nur sehr langsam.

Im Jahr 2025 und 2026 sehen wir weiterhin dieselben Muster. Trotz aller Warnungen der Sicherheitsbehörden und der Einführung moderner Authentifizierungsmethoden bleiben einfache, vorhersehbare Zeichenketten die Achillesferse des Internets. In diesem Artikel schauen wir uns an, welche Passwörter am häufigsten in Leaks vorkommen, warum das so ist und was Sie konkret tun können, um nicht zum nächsten Eintrag in diesen Listen zu werden.

Die ewigen Klassiker unter den unsicheren Passwörtern

Wenn Sie einen Blick auf die jährlichen Berichte von Sicherheitsexperten wie Nordpass oder Have I Been Pwned werfen, stoßen Sie sofort auf vertraute Namen. Diese Passwörter sind so weit verbreitet, dass sie praktisch als Standard gelten - und genau das macht sie zur Zielscheibe für Angreifer.

Top 10 der am häufigsten gestohlenen Passwörter (Stand 2025/2026)
Rang Passwort Häufigkeit in Leaks Gefährdungsgrad
1 123456 Extrem hoch Kritisch
2 password Sehr hoch Kritisch
3 123456789 Hoch Kritisch
4 qwerty Hoch Hoch
5 abc123 Mittel-Hoch Hoch
6 monkey Mittel Mittel
7 master Mittel Mittel
8 dragon Mittel Mittel
9 111111 Mittel Hoch
10 iloveyou Niedrig-Mittel Mittel

Warum tauchen diese Begriffe immer wieder auf? Weil sie einfach einzugeben sind. „123456“ erfordert keine Gedächtnisleistung. „Qwerty“ folgt der natürlichen Anordnung der Tastatur. Aber genau diese Einfachheit ist das Problem. Hacker verwenden sogenannte „Rainbow Tables“ oder Wörterbücher, die genau diese häufigen Kombinationen enthalten. Ein Bot kann Tausende solcher Versuche pro Sekunde durchführen. Wenn Ihr Passwort in dieser Liste steht, dauert es Sekundenbruchteile, bis Ihr Konto kompromittiert ist.

Warum persönliche Informationen eine schlechte Idee sind

Viele Menschen denken, sie wären clever, wenn sie ihre eigenen Daten als Passwort nutzen. Vielleicht fügen sie noch ein Ausrufezeichen hinzu oder schreiben den Namen ihres Haustiers groß. Doch das schützt Sie kaum. Hier sind die typischen Fallstricke:

  • Geburtsdaten: „1985“, „01011990“ oder Varianten davon sind extrem beliebt. Geburtsdaten sind öffentlich zugänglich oder lassen sich leicht über soziale Medien herausfinden.
  • Namen von Familienmitgliedern oder Haustieren: Wer kennt Ihren Hund besser als Sie selbst? Und wer weiß, wie er heißt? Oft schon die Leute, die mit Ihnen befreundet sind - und potenzielle Angreifer, die Ihr Profil durchsuchen.
  • Saisonale Begriffe: „Summer2025!“, „Christmas#1“ oder „NewYear2026“. Diese ändern sich zwar jährlich, folgen aber einem vorhersagbaren Muster.
  • Firmennamen oder Domains: Viele Mitarbeiter nutzen Teile ihrer E-Mail-Adresse oder den Firmennamen als Basis für ihr Passwort. Das ist ein Leichtes für gezielte Angriffe (Phishing).

Das Problem dabei ist die sogenannte „Social Engineering“-Gefahr. Hacker müssen nicht Ihr Passwort raten; sie müssen nur genug über Sie wissen. Und im Zeitalter der sozialen Medien ist das weniger schwierig, als früher. Ein kurzer Blick auf Ihr Facebook- oder Instagram-Profil reicht oft aus, um die Bausteine Ihres Passworts zu erraten.

Soziale Medien-Profile verbinden sich unsicher mit einem Passwort-Safe

Der Unterschied zwischen „geknackt“ und „gestohlen“

Es ist wichtig, einen klaren Begriff zu haben: Die meisten Ihrer Passwörter wurden nicht durch Rechenleistung geknackt. Sie wurden gestohlen. Wie funktioniert das?

Stellen Sie sich vor, Sie nutzen bei einer kleinen Online-Boutique das gleiche Passwort wie bei Ihrem E-Mail-Konto. Diese Boutique hat schwache Sicherheitsstandards. Ein Angreifer hackt deren Datenbank und lädt die Benutzerdaten ins Dark Web. Jetzt hat er Ihre E-Mail-Adresse und Ihr Passwort. Er geht nun zu Ihrem E-Mail-Konto und versucht, sich anzumelden. Da Sie das Passwort wiederverwenden, klappt das sofort. Dies nennt man „Credential Stuffing“.

Laut Berichten von Sicherheitsfirmen wie Kaspersky oder Bitdefend war Credential Stuffing in den Jahren 2024 bis 2026 für einen Großteil der erfolgreichen Kompromittierungen verantwortlich. Das bedeutet: Selbst wenn Ihr Passwort komplex ist, aber Sie es auf fünf verschiedenen Seiten nutzen, reicht ein einziges Datenleck, um alle Konten zu gefährden.

Wie Sie sich effektiv schützen: Praktische Schritte

Jetzt, wo wir wissen, was falsch läuft, kommen wir zur Lösung. Sie müssen kein Technik-Experte sein, um sicher zu sein. Folgende Maßnahmen sind ausreichend und einfach umzusetzen:

  1. Verwenden Sie einen Passwort-Manager: Tools wie Bitwarden, 1Password oder KeePassXC generieren lange, zufällige Passwörter für jede Website. Sie müssen sich nur noch ein einziges Hauptpasswort merken. Das spart Zeit und erhöht die Sicherheit drastisch.
  2. Aktivieren Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA): Auch wenn Ihr Passwort gestohlen wird, braucht der Angreifer noch den zweiten Faktor - meist eine App auf Ihrem Handy (wie Google Authenticator oder Authy) oder einen physischen Sicherheitsschlüssel (YubiKey). SMS-Codes sind besser als nichts, aber anfällig für SIM-Swapping-Angriffe.
  3. Prüfen Sie regelmäßig Ihre Konten: Nutzen Sie Dienste wie Have I Been Pwned, um zu sehen, ob Ihre E-Mail-Adresse in bekannten Datenleaks出现过 ist. Wenn ja, ändern Sie das Passwort sofort - und überall dort, wo Sie es genutzt haben.
  4. Erstellen Sie Passphrases statt Passwörter: Statt „P@ssw0rd!“ nutzen Sie vier zufällige Wörter, die schwer zu erraten sind, aber leicht zu merken. Beispiel: „Kaffee-Trompete-Sonne-Gitarre“. Das ist lang, zufällig und resistent gegen Wörterbuchangriffe.
Benutzer schützt Konten mit Passwort-Manager und Zwei-Faktor-Authentifizierung

Mythen rund um Passwort-Sicherheit

Es gibt viele Irrglauben, die die Sicherheit eher behindern als fördern. Lassen Sie uns zwei gängige Mythen entkräften:

Mythos 1: „Ich muss mein Passwort alle 90 Tage ändern.“
Das war früher Standard, heute gilt das Gegenteil. Regelmäßiges Ändern führt dazu, dass Nutzer einfachere Variationen wählen („Password1“, „Password2“), was die Sicherheit senkt. Ändern Sie Passwörter nur, wenn Sie Grund zur Annahme haben, dass sie kompromittiert wurden.

Mythos 2: „Großschreibung und Sonderzeichen machen alles sicher.“ Nicht automatisch. Wenn Sie „Hund123!“ als Passwort nutzen, ist es immer noch schwach, weil „Hund“ ein vorhersagbares Wort ist. Länge und Zufälligkeit sind wichtiger als komplexe Regeln. Ein 15-stelliger Satz aus kleinen Buchstaben ist oft sicherer als ein 8-stelliger Mix aus Sonderzeichen, wenn der Satz zufällig gewählt wurde.

Zusammenfassung: Was Sie heute tun sollten

Die Liste der meist gehackten Passwörter ist ein Spiegelbild unserer Faulheit und Unachtsamkeit. Solange „123456“ und „password“ an der Spitze stehen, bleibt das Internet ein riskanter Ort für diejenigen, die keine Vorsichtsmaßnahmen treffen. Der beste Schutz ist nicht ein unmögliches Passwort, sondern eine gute Strategie: Nutzen Sie einen Manager, aktivieren Sie 2FA und vermeiden Sie die Wiederverwendung von Zugangsdaten. Damit nehmen Sie Hackern die einfachste Möglichkeit, in Ihre digitalen Leben einzubrechen.

Was ist das unsicherste Passwort der Welt?

Seit Jahren ist „123456“ das am häufigsten gestohlene Passwort. Es gefolgt von „password“ und „123456789“. Diese einfachen Zahlenfolgen werden von automatisierten Skripten als Erstes getestet.

Sind deutsche Passwörter sicherer als englische?

Nein. Deutsche Wörter wie „Schlüssel“, „Tür“ oder „Auto“ sind in deutschen Datenleaks ebenso häufig vertreten. Internationale Hacker-Wörterbücher enthalten sowohl englische als auch lokale Sprachen. Die Sprache spielt keine Rolle, die Vorhersagbarkeit schon.

Muss ich meine Passwörter regelmäßig ändern?

Nicht mehr zwangsläufig. Moderne Sicherheitsrichtlinien empfehlen, Passwörter nur bei Verdacht auf Kompromittierung zu ändern. Regelmäßige Änderungen führen oft zu schwächeren, vorhersehbaren Variationen.

Was ist Credential Stuffing?

Credential Stuffing ist eine Angriffsmethode, bei der Hacker gestohlene E-Mail-/Passwort-Kombinationen aus einem Datenleck versuchen, auf anderen Websites anzumelden. Da viele Nutzer Passwörter wiederverwenden, gelingt dies häufig.

Ist ein Passwort-Manager sicher?

Ja, seriöse Passwort-Manager verschlüsseln Ihre Daten lokal auf Ihrem Gerät. Solange Ihr Hauptpasswort stark ist und Sie keine Malware haben, sind Ihre gespeicherten Passwörter sicherer als jedes manuell verwaltete Passwort.